Muskelerkrankungen beim Pferd
Muskelerkrankungen beim Pferd

Muskel-Erkrankungen beim Pferd

Muskelerkrankungen erkennen, verstehen und richtig managen

Muskelerkrankungen beim Pferd zählen zu den komplexeren gesundheitlichen Themen im modernen Pferdemanagement. In den letzten Jahren wurden immer mehr unterschiedliche Muskelmyopathien beschrieben, die sich in ihren Ursachen und physiologischen Abläufen deutlich unterscheiden können – häufig aber sehr ähnliche Symptome zeigen.

Wenn der Tierarzt den Verdacht auf eine Muskelerkrankung äußert, stehen viele Pferdebesitzer zunächst vor einer Vielzahl an Fachbegriffen und Abkürzungen wie PSSM, MFM oder RER. Gleichzeitig sind die Übergänge zwischen einzelnen Erkrankungen nicht immer klar abzugrenzen. In manchen Fällen können sogar mehrere Formen gleichzeitig auftreten oder sich in ihren Symptomen überschneiden. Typische Anzeichen reichen von Muskelverspannungen und Leistungsabfall bis hin zu wiederkehrendem „Tying-Up“, Bewegungsunlust oder schneller Ermüdung. Welche Ursache tatsächlich hinter den Symptomen steckt, kann jedoch nur durch eine gezielte tierärztliche Diagnostik festgestellt werden.

Dieser Beitrag soll Ihnen helfen, einen Überblick über die wichtigsten Muskelerkrankungen beim Pferd zu bekommen. Gleichzeitig zeigen wir, welche Rolle Training, Management und Fütterung bei Pferden mit Muskelproblemen spielen können und worauf im Alltag besonders geachtet werden sollte.

FAQ (1)

Typische Anzeichen für Muskelerkrankungen beim Pferd

Die Symptome einer Muskelerkrankung beim Pferd können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig zeigen sich Muskelprobleme durch Veränderungen in Bewegung, Leistungsfähigkeit und Verhalten. Gerade bei Verdacht auf Myopathie beim Pferd sollte immer eine tierärztliche Abklärung erfolgen.

Typische Hinweise auf Muskelprobleme beim Pferd können sein:

  • Muskelverspannungen, Schmerzen oder steifer Bewegungsablauf
  • Krämpfe oder wiederkehrendes „Tying-Up“
  • Starkes Schwitzen bereits bei leichter Belastung
  • Leistungsabfall oder schnelle Ermüdung
  • Probleme bei Übergängen oder Bewegungsabläufen
  • Unwilligkeit zu arbeiten oder Widerstand beim Reiten
  • Dunkler oder kaffeefarbener Urin als mögliches Warnsignal bei akuter Muskelproblematik

Die häufigsten Muskelerkrankungen

PSSM – Polysaccharid-Speicher-Myopathie

Hier ist die Energiespeicherung im Muskel gestört. PSSM Typ 1 ist genetisch bedingt und kommt besonders bei Quarter Horses und Kaltblütern vor.
PSSM Typ 2 zeigt ähnliche Symptome, die genaue Ursache ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Diese Form wird häufiger bei Warmblütern und Vollblütern beobachtet.

MFM – Myofibrilläre Myopathie

Bei MFM sind Muskelstrukturproteine verändert, obwohl die Glykogenspeicherung normal ist. Die Diagnose erfolgt meist über eine Muskelbiopsie. Besonders häufig betroffen sind Warmblüter und Araber.

RER – Recurrent Exertional Rhabdomyolysis

Die Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER) tritt meist belastungs- oder stressbedingt auf. Häufig betroffen sind sensible oder nervöse Pferde, besonders bei Rennpferderassen.

Weitere seltenere Muskelerkrankungen

Neben den häufigeren Muskelmyopathien existieren weitere genetische oder toxische Muskelerkrankungen beim Pferd:

  • Maligne Hyperthermie (MH) – genetisch bedingte Stoffwechselentgleisung
  • HYPP – Störung von Natriumkanälen in Muskelzellen
  • Atypische Myopathie – Vergiftung durch Ahornsamen, akuter Notfall

Das richtige Management bei Muskelproblemen

Das Management spielt bei Muskelproblemen beim Pferd eine zentrale Rolle. Entscheidend sind eine gleichmäßige Trainingsbelastung, ausreichend lange Aufwärm- und Abkühlphasen sowie das Vermeiden plötzlicher Belastungsspitzen. Je nach Myopathie können unterschiedliche Trainingsstrategien sinnvoll sein: Während manche Pferde von sehr regelmäßiger Bewegung profitieren, benötigen andere gezielte Ruhephasen, um eine optimale Regeneration der Muskulatur zu ermöglichen.

PRB_3968

Richtige Fütterung bei Muskelproblemen und Muskelerkrankungen 

Bei vielen Muskelerkrankungen beim Pferd spielt die Fütterung eine entscheidende Rolle, besonders bei Erkrankungen wie PSSM oder RER. Bewährt hat sich in vielen Fällen eine strukturreiche, stärkearme Ration, bei der Energie bevorzugt über Öl statt über Getreide bereitgestellt wird. Ergänzend kann eine gezielte Versorgung mit Antioxidantien sinnvoll sein, um Muskelzellen vor oxidativem Stress zu schützen und die Regeneration zu unterstützen.

Für Muskelstoffwechsel, Muskelaufbau und Regeneration sind insbesondere hochwertige Aminosäuren wie Lysin, Methionin und Threonin wichtig. Ergänzend können BCAAs und L-Glutamin die Muskelregeneration unterstützen. Eine zentrale Rolle spielt zudem natürliches Vitamin E als wichtiger Zellschutz für die Muskulatur, dessen Bedarf bei Muskelerkrankungen oft deutlich erhöht ist. Auch Zink trägt über seine Funktion in zahlreichen Enzymprozessen zur Muskelgesundheit und Regeneration bei.

Adäquates, richtiges Muskeltraining

Übertraining kann Muskelprobleme beim Pferd verstärken oder begünstigen. Typische Anzeichen sind Leistungsabfall, schnelle Ermüdung, Muskelverspannungen, Verhaltensänderungen oder eine verzögerte Regeneration. Eine dauerhaft überlastete Muskulatur regeneriert schlechter und reagiert empfindlicher auf Belastung.

Muskelaufbau entsteht immer aus dem Zusammenspiel von Training, Regeneration und Fütterung. Futter allein baut keine Muskulatur auf – liefert aber die notwendigen Bausteine, damit sich Muskulatur entwickeln und regenerieren kann. Mehr dazu im Beitrag: „Gesunder Muskelaufbau beim Pferd – Training und Fütterung optimal kombinieren“.

Fazit: Muskelerkrankungen beim Pferd früh erkennen und gezielt managen

Muskelerkrankungen beim Pferd sind komplex und erfordern eine individuelle Betreuung. Eine enge Zusammenarbeit mit Tierarzt, Trainer und Fütterungsberatung bildet die Grundlage für einen langfristigen Behandlungserfolg. Durch konsequentes Management, angepasstes Training und eine gezielte Nährstoffversorgung können viele Pferde mit Muskelproblemen langfristig stabil, leistungsfähig und belastbar bleiben.